Die Fahrscheine, bitte… - Über das Semester- und das Deutschlandticket

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Seit seiner Einführung vor über 30 Jahren hat es das Semesterticket ganzen Generationen von Studierenden ermöglicht unkompliziert und kostengünstig den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Ursprünglich konnte man mit dem Ticket nur im VRS-Gebiet fahren, nach einer Urabstimmung im Jahre 2009 wurde das VRS-Ticket zum NRW-Ticket erweitert.

Vor der Einführung des Semestertickets wurde das Verkehrsverhalten der Studierenden der Uni Bonn untersucht: Damals fuhren— je nach Fakultät — etwa 30-50% der Studierenden regelmäßig mit dem eigenen Auto zur Uni. Heute ist es nur noch ein Bruchteil davon. Gewiss ist der Rückgang nicht ausschließlich dem Semesterticket zu verdanken, sondern es spielen auch andere Faktoren eine Rolle, doch ist unzweifelhaft, dass die Möglichkeit, jederzeit eine Bahn oder einen Bus nutzen zu können, ohne erst ein Ticket für die Fahrt kaufen zu müssen, das Verkehrsverhalten vieler Studierender nachhaltig verändert hat. So fand das Semesterticket, das bei seiner Einführung noch von vielen Studierenden als „Zwangsticket“ abgelehnt wurde,  binnen kurzer Zeit eine hohe Akzeptanz in der Studierendenschaft.


Das Deutschlandticket

Diese Entwicklungen zeigen, dass ein günstiger und unkomplizierter Zugang zum öffentlichen Nahverkehr, ein wichtiger Baustein eine klimafreundlichen —oder zumindest klimafreundlicheren — Mobilität ist. So ist es dann auch grundsätzlich zu begrüßen, dass mit dem Deutschlandticket, auch 49 Euro-Ticket, dem Nachfolger des 9 Euro-Tickets, ein Versuch unternommen wurde, einen solchen Zugang für alle Menschen zu schaffen.

Viele Studierendenschaften jedoch stellte das Deutschlandticket vor Herausforderungen, an die man seitens der Politik bei dessen Einführung nicht unbedingt gedacht hatte.

Zum einen kam es für die verfassten Studierendenschafen, ebenso wie für die Studierendenwerke zu Einnahmeausfällen, da viele Studierende die nur des Tickets wegen eingeschrieben waren, auf das Deutschlandticket umstiegen und nun natürlich auch keinen Semesterbeitrag mehr bezahlten.

Zum anderen wird aber auch angesichts des Deutschlandtickets über die Legitimität des Semestertickets diskutiert: Die Voraussetzung dafür, dass die verfasste Studierendenschaft das Ticket für alle Studierenden kauft, ist, so hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass das Semesterticket ein günstigere Alternative zu vergleichbaren Dauerkarten darstellt und damit — juristisch ausgedrückt — dem sog. Äquvivalenzrinzip entspricht. Da aber nun mit dem Deutschlandticket ein Zugang zum Nahverkehr angeboten wird, der wesentlich günstiger ist als die meisten bisherigen Jahres- oder Monatstickets, haben sich zahlreiche Studierendenschaften in NRW dazu entschieden, ihre Verträge mit den jeweiligen Verkehrsbetrieben zu kündigen bzw. nicht zu verlängern.

Die Verfasste Studierendenschaft der Uni Bonn jedoch möchte das Semesterticket zunächst beibehalten, denn für die Hochschulen im VRS-Gebiet ist das Semesterticket nach wie vor das günstigere Angebot:

Mit 202,30 Euro pro Semester zahlt man knapp 100 Euro weniger, als es kosten würde, für den gleichen Zeitraum das Deutschlandticket zu lösen. Darüber hinaus bietet das Semesterticket im Gegensatz zum Deutschlandticket die Möglichkeit, abends oder in den Schulferien eine weiter Person mitzunehmen, ebenso wie die Fahrradmitnahme.


Die Politik am Zuge

Wie es jedoch mit dem Semesterticket weitergeht ist offen, nun eine Aufgabe der Politik eine langfristige Lösung zu finden.In einigen Bundesländern, wie Bayern oder Niedersachsen, wurden bereits günstige Semestertickets für Studierende geschaffen. In NRW fordert das Landes Asten Treffen (LAT), der Dachverband der verfassten Studierendenschaften im Land, ein Solidarticket für 129 Euro pro Semester. Die Landesregierung allerdings sieht in der Frage des Tickets den Bund in der Pflicht. Die Verhandlungen zur Schaffung eines Ticket für Studierenden auf Bundesebene jedoch, die zwischen dem Finanzministerium und dem freien Zusammenschluss der student*innenschaften (fzs), dem Dachverband der verfassten Studierendenschaften im Bund, geführt wurden, sind zur Zeit wegen des Investitionstops der Bundesregierung unterbrochen und die bisherigen Verhandlungsergebnisse wurden verworfen.

Sollte es hier zu keiner politischen Lösung kommen, so ist angedacht — wie auch schon seinerzeit zur Einführung des Tickets und zur Erweiterung zum NRW-Ticket — eine Urabstimmung abzuhalten, damit die Studierenden der Uni Bonn selbst entscheiden können, ob sie weiterhin ihr Semesterticket behalten möchten oder es lieber zugunsten des Deutschlandtickets abschaffen wollen, dass sich jede:r Studierende dann jeden Monat selbst kaufen müsste.


Das Upgrade zum Deutschlandticket

Wer jetzt schon sorglos im Zug durch das romantische Mittelrheintal fahren möchte, kostengünstig an die Nordsee reisen will oder wer schlicht in einem anderen Bundesland wohnt, hat heute schon die Möglichkeit  das Semesterticket zum Deutschlandticket upgraden. Dieses Upgrade kostet 15,28 Euro und kann in der „Easy go App“ der Stadtwerke unter „D-Ticketupgrade VRS Hochschulen“ gekauft werden. Solltet ihr jedoch im VRS-Gebiet eine weitere Person oder ein Fahrrad mitnehmen, so müsst ihr hierzu weiterhin das Semesterticket vorzeigen.

Sicherlich wurde durch die Einführung des Deutschlandticket für viele Menschen der Zugang zum Nahverkehr erheblich erleichtert, wenn es auch diverse Berichte über Zugangshindernisse, wie etwa Bonitätsprüfungen mithilfe der Schufa, gibt. Doch ist die Frage des Tickets eben nur ein — gewiss nicht unwichtiger — Schritt hin zu einer nachhaltigeren Mobilität, denn wichtig ist eben nicht nur ein günstiger und unkomplizierter Zugang zum Nahverkehr, sondern auch ein ausreichendes Angebot, dass die berechtigen Bedürfnisse der Menschen befriedigt.


#wirfahrenzusammen

Unabdingbar hierfür ist natürlich, dass es ausreichend Beschäftigte gibt, die mit ihrer Arbeit den reibungslosen Ablauf des öffentlichen Verkehrs gewährleisten.U nd so ist es dann auch nur folgerichtig, dass sich unter dem Hashtag wirfahrenzusammen Fridays for Future (FFF) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) gemeinsam für eine angemessene Bezahlung der Mitarbeiterinnen eintreten.

Da das Recht auf Mobilität ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge ist, ist es selbstverständlich, dass sich die Gestaltung des Öffentlichen Nahverkehrs nicht nur an Aspekten kurzfristiger Wirtschaftlichkeit orientiert. Volkswirtschaftlich gesehen wäre aber übrigens auch ein —für sich genommen — unwirtschaftlicher Nahverkehr sinnvoll. Man denke nur an den Schaden, der entstehen würde, wenn Kinder nicht zur Schule, Studierende nicht zur Uni und Arbeitnehmer nicht zu ihrem Arbeitsplatz fahren könnten. Darüber hinaus muss man natürlich global betrachtet auch die Kosten des Klimawandels sehen, der zumindest etwas gemindert werden könnte, wenn möglichst schnell möglichst viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen - ganz gleich ob Bahn oder Bus. Das Wort „Bus“ ist übrigens die Kurzform des etwas aus der Mode gekommenen Wortes „Omnibus“, lateinisch für „für alle“.