PM: Erstes Fazit nach Evaluation des Online-Semesters

Die Universität Bonn hat über das Zentrum für Methoden und Evaluation eine Studierendenbefragung zum Online-Semester durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild.

Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, das Online-Semester insgesamt mindestens als gelungen zu bewerten. Jedoch konnten nur circa 10% der Befragten ihr Studium während des Sommersemesters 2020 wie geplant fortsetzen. Hieran wird deutlich, wie wichtig die Verlängerung der Regelstudienzeit war. Aber auch, dass die Forderung nach einem Solidar- oder Kann-Semester angebracht ist.

Besonders auffällig ist, dass viele der Studierenden während des Semesters einen erhöhten Arbeitsaufwand und Überforderung beschreiben. Der AStA der Universität Bonn fordert daher, dass Arbeitsaufwand und Prüfungsanforderungen an die spezielle Situation, die beim Studium während der Pandemie bestehen, angepasst werden.

Bei der Verbreitung von das Studium betreffenden Informationen, beispielsweise bezüglich Prüfungsangelegenheiten während der Corona-Pandemie sehen die befragten Studierenden Mängel. Als hilfreichste Informationsquelle wurden Mails von Dozierenden angegeben, während die Erreichbarkeit von Lehrpersonen im Sommersemester im Vergleich aber nicht besser war. Sander Hartkamp, AStA-Vorsitzender, fordert daher: “Der Zugang zu Informationen sollte nicht von der jeweiligen Lehrperson abhängig sein. Die Universitätsleitung hat mit ihrem Rektoratsbeschluss zum Studium während der Corona-Pandemie viele studierendenfreundliche Regelungen getroffen. Der Beschluss wurde aber, auch nach Bitte darum, nicht per Rundmail an alle Studierenden verschickt. Hier muss die Universität ihre Kommunikationsstrategien noch verbessern.”

In Bezug auf ihre Arbeits- und Lernplätze gaben nur 61,9% der Befragten an, ungestört arbeiten zu können und 10,9% verfügten nicht über die nötige technische Ausstattung. Johanna Münzel, stellvertretende AStA-Vorsitzende, stellt dazu fest: “Die Online-Lehre wird mindestens im kommenden Wintersemester noch eine wichtige Rolle spielen. Daher müssen Angebote geschaffen werden, Studierende mit entsprechenden Endgeräten auszustatten. Beispielsweise durch einen Verleih wie an der Universität Münster.”

Auch wird der wiederholten Forderung des AStA, Lernplätze für Studierende zu schaffen, durch die Umfrage Ausdruck verleiht. So gaben Dreiviertel der Studierenden an, die normalerweise von der Universität bereitgestellten Lernräume zu vermissen. Seit der Schließung der ULB und MNL sowie der Institutsbibliotheken im März stehen den rund 38.000 Studierenden nun lediglich 200 Arbeitsplätze zur Verfügung. Der AStA der Universität hofft darauf, dass der Evaluation dieses ersten Online-Semesters entsprechende Verbesserungen folgen werden. Der Anspruch einer Universität sollte nicht sein, dass nur mehr als die Hälfte der Befragten eine positive Bilanz zieht, sondern dass möglichst alle Studierenden zufrieden sind.

Die Umfrage hatte mit 17,6 % eine recht hohe Rücklaufquote für online Umfragen.

(Die Pressemitteilung der universität findet ihr hier https://www.uni-bonn.de/neues/201-2020 .)