Wir fordern faire und transparente Prüfungsregelungen

Pressemitteilung 26.02.2021

AStA Bonn fordert faire und transparente Prüfungsregelungen

Die Corona-Pandemie hat die universitäre Lehre und das Studium stark verändert. Das trifft auch auf Prüfungsformen und Prüfungsmodalitäten zu. Die Ermöglichung von Online-Prüfungen und Prüfungen in elektronischer Kommunikation durch die Corona- Epidemie-Hochschulverordnung sowie Beschlüsse der Universität bieten Studierenden die Chance ohne erhöhtes Infektionsrisiko Prüfungen abzulegen und ihr Studium fortzuführen. Durch die neue Situation entstehen für Lehrende wie Studierende Unsicherheiten. An vielen Stellen wurden nur Soll-Regelungen getroffen, die weder den Studierenden noch den Prüfenden Klarheit verschaffen. In vielen Fällen sind Studierende über geltende (Soll-)Regelungen zudem nicht informiert.

In den letzten Monaten haben sich viele Studierende an den AStA gewandt, da sie angesichts unklarer Prüfungssituationen verunsichert waren, nicht informiert wurden oder Bedenken bezüglich Präsenzklausuren hatten. Wir wollen hier auf einige Beispiele hinweisen und eine transparente und klare Regelung zu Prüfungsdurchführungen durch die Universität insgesamt und insbesondere durch die Lehrenden und zuständigen Prüfungsbüros auf Dekanatsebene fordern.

1. Laut Rektoratsbeschluss vom 18.12.2020 müssen Prüfungsform und Prüfungsdatum, sowie im Falle von Online-Klausuren die verwendeten Tools, 14 Tage im Voraus bekanntgegeben werden. Obwohl 14 Tage für die Einstellung auf eine Prüfung knapp bemessen sind, ist die Frist anhand der sich ständig ändernden Vorgaben zum Infektionsschutz nachvollziehbar. Diese 14 Tage wurden jedoch immer wieder nicht eingehalten, was zu großen Verunsicherungen bei den betroffenen Studierenden führte, da diese kurz vor Prüfungsantritt noch nicht über genaue Informationen zum Prüfungshergang verfügten.

2. Die Identitätskontrolle und Beaufsichtigung der Studierenden während Prüfungen stellt bei Online-Prüfungen natürlich eine besondere Herausforderung dar. Auch hier hätten klare und transparente Richtlinien Abhilfe schaffen können. Doch so blieb unklar, wann und wieviel Studierende über ihren Arbeitsplatz offenlegen müssen und welche Formen der Identitätskontrolle legitim sind: zu 360°-Schwenks durch das Zimmer gab es unterschiedliche Angaben und Datenschutzbestimmungen, wie beispielsweise beim Vorzeigen des Personalausweises in Zoom-Meeting, wurden nicht immer korrekt kommuniziert.

3. Präsenzklausuren sollten die absolute Ausnahme darstellen und mussten jeweils begründet, durch die jeweiligen Dekan*innen der Fakultäten bestätigt und dann durch das Rektorat genehmigt werden. Viele Studierende konnten sich nicht erklären, warum die eine Klausur in Präsenz stattfinden konnte, während eine andere Klausur online durchgeführt wurde. Die Begründungen für Präsenzklausuren wurden den Studierenden nicht mitgeteilt.

4. Nicht alle Studierenden verfügen über einen Arbeitsplatz, der den Anforderungen einer Prüfungssituation gerecht wird. Sei es aufgrund von Lärm, mangelhafter Internetverbindung oder auch weil mehrer Personen auf engstem Raum mit nur einem Arbeitsbereich leben. Wir begrüßen sehr, dass für diese Studierenden Arbeitsplätze in der ULB bereitgestellt werden. Obwohl die Situation sich abzeichnete, kamen diese Plätze aber erst eine Woche nach Beginn der Prüfungsphase.

Zuletzt muss bemerkt werden, dass zwischen Prüfenden und Geprüften immer ein Machtgefälle besteht. Aus Angst, dass eine Beschwerde oder zu kritisches Nachfragen sich negativ auf die eigene Note auswirken könnte, vermeiden Studierende diese Nachfragen oft. “Die Universität sollte unter Berücksichtigung der Tatsache, dass an den unterschiedlichen Fakultäten verschiedene Prüfungsanforderungen bestehen, transparente und verbindliche Regelungen zu den genannten Punkten schaffen sowie die Einhaltung verbindlicher Regelungen einfordern.” meint Sander Hartkamp, Vorsitzender des AStA. Johanna Münzel, stellvertretende Vorsitzende ergänzt: “Studierende sollten die Gelegenheit haben sich bei Problemen direkt an eine Stelle der Universität zu wenden, die gegebenenfalls auch anonymisiert mögliche Probleme mit Studiendekanaten und Prüfenden anspricht und die Einhaltung von geltenden Regelungen, wie beispielsweise der 14-Tage-Frist, einfordert.”