Stellungnahme zu Ulrike Guérot

Ulrike Guérot, Leiterin des Lehrstuhls für Europapolitik an der Universität Bonn und Gründerin des European Democracy Labs in Berlin, hat mit ihren jüngsten Äußerungen zum Ukrainekrieg für viel Aufsehen gesorgt. Doch auch schon davor hat sie in ihrem Buch „Wer schweigt, stimmt zu“ und während der Corona-Pandemie einige Aussagen getätigt, die sich nur schwer mit ihrer wissenschaftlichen Professur vereinbaren lassen. Daher hat sich nicht nur an der Universität Bonn, sondern auch in der Öffentlichkeit, zum Beispiel in einem Artikel der FAZ, Widerspruch geregt. Wir, als AStA der Universität Bonn wollen uns von ihren Positionen distanzieren und die Universität Bonn auffordern Stellung zu beziehen sowie sich ebenfalls von Prof. Guérot zu distanzieren.

Schon die Fachschaft für Soziologie und Politikwissenschaft der Universität Bonn hat im Mai 2022 einen offenen Brief an Ulrike Guérot gerichtet als Reaktion auf ihr im März 2022 veröffentlichtes Buch „Wer schweigt stimmt zu“. In diesem Brief beanstandet die SozPol Fachschaft, dass Ulrike Guérot die deutsche Corona-Politik mitunter ohne wissenschaftliche Fundierung kritisiert. Zudem missbilligt die Fachschaft das Demokratieverständnis von Ulrike Guérot, bezugnehmend auf ihre Forderung, Verfassungsrichter*innen zu ersetzen und andere ‚zum Schweigen zu bringen‘. In ihrer Antwort vom 8. Mai 2022 verweist Ulrike Guérot auf verschiedene Interviews sowie auf das Vorwort zur 4. Auflage von ihrem Buch, um den an sie gerichteten Vorwürfen zu widersprechen.

Am 12. Mai 2022 hat auch das Bonner Studierendenparlament Stellung gegen Ulrike Guérot bezogen und ihre Aussagen zum Ukrainekrieg einstimmig missbilligt. Diese hatte bei „Viertel nach Acht“, einer Sendung von Bild TV, Aussagen getätigt, die der Ukraine ihr Selbstverteidigungsrecht absprechen und deutsche Waffenlieferungen als völkerrechtswidrig darstellen, was bereits im Vorfeld von Völkerrechtler*innen der Universität Bonn widerlegt worden war. Im Anschluss war ein Mitglied des Studierendenparlaments auch im Deutschlandfunk, um den Antrag zu verteidigen, welches immer noch online nachhörbar ist.

Nicht nur in der Bonner Studierendenschaft, sondern auch in der Öffentlichkeit hat Ulrike Guérot für Aufmerksamkeit gesorgt. Am 4. Juni 2022 hat die FAZ einen Artikel mit dem Namen „Wirklichkeit à la Ulrike Guérot“ veröffentlicht. Dort wird festgestellt, dass Ulrike Guérots Behauptungen, dass „Zwei Drittel der deutschen Schüler an Depressionen leiden“ sowie dass Impfgegner*innen besser informiert seien als Impfbefürworter*innen, statistisch widerlegbar sind. Es wird aufgezeigt, dass Ulrike Guérot schon vermehrt eindeutige Falschaussagen getroffen hat. Zusätzlich zu der unwissenschaftlichen Arbeitsweise gibt es Plagiatsvorwürfe gegen sie. Die FAZ stellt fest, dass sie große Teile von Paul Watzlawicks Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ paraphrasiert wiedergibt. Guérots Reaktion auf diese Vorwürfe findet ihr hier. In all ihren Reaktionen setzt sie sich nicht mit der an ihr geübten Kritik auseinander, sondern weist lediglich alle Vorwürfe von sich.

Ein Vorfall an der TU-Darmstadt zeigt: Die Universität Bonn wäre nicht handlungsunfähig. Die Darmstädter Soziologin Cornelia Koppetsch wurde zum zweiten Mal des Plagiierens beschuldigt und eine Kommission der TU Darmstadt attestierte der Professorin eine „verfestigte (unrichtige) Einstellung“. Daher will die TU Darmstadt ein zweites Disziplinarverfahren eröffnen. Nach dem ersten Disziplinarverfahren gab die TU Darmstadt bereits im Januar 2022 bekannt, dass dienstrechtliche Konsequenzen erfolgen werden, Einzelheiten wurden nicht bekannt gemacht.


Da Guérot regelmäßig in Talkshows und andere Medienformate als Professorin der Universität Bonn geladen und damit entsprechend nach außen hin in dieser Rolle wahrgenommen wird, sind ihre dort getätigten Aussagen niemals rein privater Natur, sondern werden in der Öffentlichkeit auch als Position der Universität Bonn aufgefasst.

Ohne öffentliche Zurückweisung steht Guérots öffentliches Auftreten im direkten Widerspruch mit dem Selbstverständnis der Universität Bonn. Darunter fällt insbesondere der Anspruch der Universität Bonn an wissenschaftliche Exzellenz und natürlich auch ihre offene Solidarität mit den vom russischen Angriffskrieg betroffenen Menschen in der Ukraine sowie ihre überzeugte Umsetzung der Hygienemaßnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeitenden, Studierenden und Mitmenschen während der Corona-Pandemie.


Als AStA der Universität Bonn appellieren wir an die Universität, und zwar insbesondere die Universitätsleitung sowie die Leitung der Philosophischen Fakultät, die Äußerungen von Ulrike Guérot und den Schaden, den diese für den Ruf der Universität sowie ihrer Mitarbeitenden und Studierenden haben, nicht zu ignorieren. Wir fordern, dass die Universität öffentlich Stellung zu Prof. Guérots Verfehlungen des wissenschaftlichen Arbeitens bezieht und sich von ihren Aussagen distanziert.


https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-06-04/f5b7b76b8b99418c8c4cc5ae6ec09c80/?GEPC=s3

http://fs-sozpol.de/wp-content/uploads/Offener-Brief-Ulrike-Guérot.pdf

http://fs-sozpol.de/wp-content/uploads/Antwortbrief_Fachschaft_Mai-2022.pdf

https://sp.uni-bonn.de/beschluesse/dl/44/20220511_Missbilligung_Guerot.pdf

https://www.deutschlandfunk.de/grenzen-der-wissenschaftsfreiheit-wie-weit-darf-kritik-an-forschenden-gehen-dlf-5ce0b4dd-100.html

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-06-04/f5b7b76b8b99418c8c4cc5ae6ec09c80/?GEPC=s3

https://www.bonneurope.world/content/220623-Statement-zu-Plagiatsvorwuerfen.pdf

https://www.spiegel.de/panorama/bildung/tu-darmstadt-zum-zweiten-mal-plagiatsvorwuerfe-gegen-soziologin-cornelia-koppetsch-a-ee01b03e-1dc7-465d-90cb-e2f3ded18a9b

https://www.uni-bonn.de/de/universitaet/ueber-die-uni/exzellenzuniversitaet

https://www.uni-bonn.de/de/neues/044-2022

https://www.uni-bonn.de/de/universitaet/informationen-zum-coronavirus


(zuletzt geprüft: 11.08.2022)