"Shanghai-Ranking" einseitig und intransparent

Angesichts des am vergangenen Montag, den 15. August 2011, zum neunten Mal veröffentlichten „Academic Ranking of World Universities“ (ARWU) und dem Stellenwert, der diesem in der Öffentlichkeit und insbesondere auch durch die Universität Bonn beigemessen wird, sieht sich der AStA der Universität Bonn gefordert, auf das zweifelhafte Zustandekommen dieser Rangliste hinzuweisen.

Hauptkriterien des von der Shanghai Jiao Tong Universität jährlich publizierten Überblicks stellen einerseits aktuelle oder ehemalige Mitglieder der Universität, denen Nobelpreis oder Fields-Medaille verliehen wurden, andererseits die Veröffentlichungen in den Magazinen „Nature“ und „Science“ in den jeweils letzten fünf Jahren und die im jeweils vergangenen Jahr in das „Web of Science“ aufgenommenen Schriften dar. Die Wertung der Publikationen beschränkt sich auf englischsprachige Artikel, was die Dominanz amerikanischer und britischer Universitäten unter den „Top-Universitäten“ verständlich macht. Die Auswahl der berücksichtigten Preise und Publikationen benachteiligt zudem geisteswissenschaftliche Fachbereiche und mithin Universitäten, die vor allem innerhalb dieser Bereiche herausragende Forschungsleistungen erbringen. Eine starke Gewichtung ehemaliger Preisträger der vergangenen 100 Jahre erschwert zudem neu gegründeten Hochschulen das Erreichen einer guten Platzierung.

Dass sich das sogenannte „Shanghai-Ranking“ inzwischen in Wissenschaft und Gesellschaft als internationaler Gradmesser für die Güte einer Universität etabliert hat, ist scharf zu kritisieren, denn hierdurch werden wesentliche Bestandteile und Grundvoraussetzungen wissenschaftlicher Arbeit entwertet. Die Qualität der Lehre oder die Studiensituation in den untersuchten Universitäten bleiben gänzlich unberücksichtigt und auch die Bewertung der Forschungsarbeit bleibt einseitig, in ihrer Auswahl wenig nachvollziehbar und darüber hinaus intransparent. Dies wurde in einer Untersuchung aus dem Jahr 2007 nachgewiesen, in der sich die veröffentlichten Ergebnisse mit den vorgelegten Ausgangsdaten sowie der angegebenen Gewichtung nicht rekonstruieren ließen. Eine diesbezüglich kritische Auseinandersetzung haben wir in der am 18. August 2011 von der Universität Bonn herausgegebenen Pressemitteilung, welche allein das gute Abschneiden der Universität behandelt, leider vergeblich gesucht.

Wir als AStA fordern deshalb nachdrücklich dazu auf, das „Shanghai-Ranking“ mit der gebotenen Skepsis zu betrachten und in dazu veröffentlichten Stellungnahmen und Erklärungen auf die erheblichen Mängel der Rangliste hinzuweisen. Die an eine Universität gestellten Erwartungen und ihre Aufgaben dürfen nicht auf die in der Rangliste enthaltenen Bereiche reduziert werden.