Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung "Mai '68 in Bonn"

Am Mittwoch, den 2. Mai, wurde im Bonner Universitätsmuseum die neue Ausstellung "Mai '68 in Bonn" eröffnet. Diese soll die Massenproteste gegen die Notstandsgesetze darstellen, die am 11. Mai 1968 über 50.000 Menschen auf die Hofgartenwiese lockten, vor allem Studierende. Neben dem Leiter des Universitätsarchivs, Herr Dr. Becker, und den Kurator*innen der Ausstellung begrüßte auch die AStA-Vorsitzende Sarah Mohamed die Gäste der Eröffnungsfeier. Im Folgenden ist ihr Grußwort nachzulesen.


Sehr geehrter Herr Dr. Becker, liebe Kurator*innen, Herr Fuchs, Herr Weck und Frau Wolff, sehr geehrte Damen und Herren,

ca. 50.000 Menschen protestierten vor 50 Jahren auf der Bonner Hofgartenwiese gegen die Notstandsgesetze, darunter größtenteils Studentinnen und Studenten. Keine Gruppe prägte die 68er Bewegung so sehr wie die Studierenden und gerade Bonn war als damalige Hauptstadt ein zentraler Ort für die Proteste. Deswegen begrüße ich es sehr, dass es anlässlich des 50jährigen Jubiläums der 68er eine Ausstellung dazu an unserer Universität gibt und freue mich als Vertreterin der Studierendenschaft heute dabei zu sein. Bestimmt war nicht alles gut in den 68ern und viel wird rückblickend romantisiert. Doch sicher waren die Studentenproteste wichtig für die junge Demokratie und für die Emanzipation einer ganzen Generation. Sie trieben außerdem eine intensive Aufarbeitung der NS-Vergangenheit voran, fünf Jahre nach den Auschwitzprozessen.

„Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“, stand auf einem Transparent, das am 9. November 1967 in der Universität Hamburg von den damaligen Studenten und früheren AStA-Vorsitzenden Detlev Albers und Gert Hinnerk Behlmer bei der Rektoratsübergabe in der Öffentlichkeit enthüllt wurde. Als AStA-Vorsitzende wird man oft gefragt, wie politisch sind die Studenten von heute? Gerade dieses Jahr, wo die 68er nun ein halbes Jahrhundert zurückliegen. Nun ja, mit 50.000 Demonstrant*innen lässt sich die Hofgartenwiese momentan sicher nicht mehr füllen, auch nicht ohne störenden Bauzaun. Manche sagen, dass das verschulte Studium im Bachelor-Master-System den Studierenden die Zeit und den Freiraum nimmt sich über ihr Studium hinaus politisch zu engagieren. Oder vielleicht glaubt man nicht mehr an den „Marsch durch die Institutionen“, dass die Institutionen soziale Verantwortung übernehmen. Ich denke, Engagement unter den Studierenden ist heute einfach anders. Es gibt keine sichtbare Massenbewegung mehr.

Aber viele Studierende engagieren sich ehrenamtlich in themenbezogenen Projekten, die ihnen persönlich am Herzen liegen. Zum Beispiel 2015 während der Flüchtlingskrise brachten Studierende sich in Organisationen ein, die die Konsequenzen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung aufzufangen versuchten. Auch in Bonn wurden Studierenden in Organisationen wie Refugees Welcome, Initiative für Flüchtlinge oder Start with a Friend aktiv. Auch wenn die Studierenden heute nicht mehr so sichtbar politisch aktiv sind wie vielleicht damals, so haben die damaligen Studentenproteste die Mentalität des Studentenlebens bis heute geprägt. Man muss vielleicht gar nicht beantworten, was besser war, heute oder damals. Klar ist aber, dass es diese Zeit verdient hat in einer Ausstellung wie heute gewürdigt zu werden. Vielen Dank dafür!

Ausstellung "Mai '68 in Bonn"
Dr. Thomas Becker und Sarah Mohamed bei der Eröffnung der Ausstellung "Mai '68 in Bonn"